ThermTec Wild D: Wärmebild-Monokulare mit zwei Brennweiten
Die Wild D Serie umfasst zwei Geräte mit echtem Doppelobjektiv: Sie schalten am Gerät zwischen 25 und 50 Millimetern um, beide mit Blende 0.9. Baugleich sind Gehäuse, Display, Reichweiten und Bedienung, unterschiedlich ist allein der Sensor. Die Gegenüberstellung folgt unter dem Grid.
- Zwei optische Wege, kein Digitalzoom als Ersatz.
- 40 mm Augenabstand, der größte im ThermTec Programm.
- Kein Laserentfernungsmesser, auch nicht als Variante.
- Ohne Erlaubnis erhältlich, Beobachtungsgeräte ohne Absehen.
Zwei Geräte, ein Gehäuse, ein Unterschied
| Wild 650D | Wild 350D | |
|---|---|---|
| Sensor | 640 × 512 | 384 × 288 |
| NETD | 18 mK bei 300 K | 18 mK bei 300 K |
| Objektive | 25 / 50 mm, F0.9 | 25 / 50 mm, F0.9 |
| Grundvergrößerung | 1,4- und 2,8-fach | 2,4- und 4,8-fach |
| Gesamtvergrößerung | bis 11,2-fach | bis 19,2-fach |
| Sichtfeld Weitwinkel | 30,7 × 24,6 m | 18,4 × 13,8 m |
| Sichtfeld Tele | 15,4 × 12,3 m | 9,2 × 6,9 m |
| Entdeckungsreichweite | 1300 / 2600 m | 1300 / 2600 m |
| Display | AMOLED 1024×768 | AMOLED 1024×768 |
| Augenabstand | 40 mm | 40 mm |
| Laufzeit | 8 h | 10 h |
| Gewicht und Maße | 647,5 g, 210 × 81 × 71 mm | identisch |
Die Tabelle erklärt sich fast von selbst, und genau an einer Stelle führt sie in die Irre. Das günstigere 350D trägt die höhere Vergrößerungszahl, und das ist kein Vorteil.
Der Grund: Beide Geräte haben dieselben Objektive und dasselbe Display. Ein kleinerer Sensor nimmt hinter derselben Optik einen engeren Ausschnitt auf, und dieser engere Ausschnitt erscheint auf gleich großer Anzeige größer. Aus 1,4-fach werden so 2,4-fach. Die 19,2-fache Gesamtvergrößerung des 350D ist also die rechnerische Kehrseite seines um zwei Drittel engeren Bildfelds, nicht mehr Leistung.
Ebenso wichtig: Die Reichweite ist bei beiden gleich. Bei identischem Pixelabstand und identischer Brennweite deckt jeder Bildpunkt denselben Winkel ab, und davon hängt die Entdeckungsreichweite ab. Der größere Sensor kauft Bildfeld, nicht Weite.
Damit reduziert sich die Wahl auf drei Punkte. Das Wild 650D zeigt ein deutlich breiteres Bild und löst Wildkörper feiner auf, was beim Beurteilen von Umrissen zählt. Das Wild 350D läuft zwei Stunden länger und kostet mehrere Hundert Euro weniger. Alles andere ist gleich.
Was L, D und Pro bei ThermTec bedeuten und warum das für diese Serie entscheidend ist
Die Modellnamen des Herstellers folgen einer Systematik, die im deutschen Handel nirgends erklärt wird und laufend zu Verwechslungen führt.
| Kürzel | Bedeutung |
|---|---|
| L | Laserentfernungsmesser, 1000 m, ±1 m |
| D | zwei umschaltbare Objektive |
| Pro | empfindlicherer Sensor und Display mit 1600 × 1200 Punkten |
| Ziffern | Sensorklasse und längere Brennweite, etwa 650D für 640er Sensor und 50 mm |
Daraus folgt der wichtigste Satz dieser Seite: Kein Gerät der Wild D Serie hat einen Laser. Wer beides braucht, Doppeloptik und gemessene Entfernung, findet bei ThermTec genau ein Gerät, das Wild 650DL Pro aus der Wild Pro Reihe.
ThermTec bewirbt für die Wild D Serie eine Funktion namens AI Distance Measurement. Diese schätzt die Entfernung rechnerisch aus der scheinbaren Zielgröße. Sie ist kein Laser und sollte auf Deutsch auch nicht als Entfernungsmesser bezeichnet werden.
Wild 650D gegen Wild 650DL Pro: die Entscheidung, die keine deutsche Seite aufmacht
Beide tragen dieselbe Doppeloptik mit 25 und 50 Millimetern bei Blende 0.9 und zeigen deshalb identische Sichtfelder. Der Unterschied sitzt hinter der Linse und geht in beide Richtungen.
| Wild 650D | Wild 650DL Pro | |
|---|---|---|
| NETD | 18 mK | unter 15 mK |
| Display | 0,39 Zoll, 1024×768 | 0,5 Zoll, 1600 × 1200 |
| Laser | Keiner | 1000 m, ±1 m |
| Augenabstand | 40 mm | 20 mm |
| Laufzeit | 8 h | 6 h |
Für Brillenträger ist der doppelte Augenabstand kein Detail, sondern die Frage, ob das Bildfeld vollständig sichtbar bleibt. Dazu kommen zwei Stunden mehr Laufzeit. Umgekehrt bietet das Pro den Laser, das feinere Bild und die bessere Anzeige.
Eine Zahl, die dabei regelmäßig verwirrt: Das Pro nennt 1,8-fache statt 1,4-facher Grundvergrößerung, obwohl die Optik identisch ist. Verantwortlich ist allein das größere Display. Das Verhältnis der Displaydiagonalen und das der Vergrößerungen stimmen überein, das Bildfeld bleibt gleich.
Rechtslage und Einordnung
Ein Handgerät ohne eigenes Absehen und ohne Vorrichtung zur Montage an einer Schusswaffe wird von der Verbotsregelung für Nachtzieltechnik in Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.2.4.2 des Waffengesetzes nicht erfasst. Erwerb und Besitz stehen jedem offen, auch ohne Jagdschein und ohne behördliche Ausnahme. Getrennt davon steht der Einsatz bei der Jagd: § 19 des Bundesjagdgesetzes verbietet Nachtzielgeräte, und nach § 19 Abs. 2 bestimmen die Länder die Einzelheiten. Reine Beobachtungsgeräte gelten dabei als der unkritischste Fall, doch die Regelungen weichen je Bundesland voneinander ab, weshalb Sie die geplante Nutzung vorab anhand Ihres Landesjagdgesetzes klären sollten. Dies ist keine Rechtsberatung.
Im Programm ordnet sich die Serie so ein: Einzelobjektive und Lasermodelle stehen in der Wild Reihe, die höchste Bildgüte in der Wild Pro Reihe, messfähige Kompaktgeräte in der Cyclops 3.0 Serie und die leichtesten Einstiegsgeräte in der Cyclone Serie. Den Überblick über alle Handgeräte gibt ThermTec Wärmebild-Monokulare, über das Gesamtprogramm der ThermTec Bereich. Markenübergreifend vergleichbar sind die Geräte von Nocpix, HIKMICRO und Pulsar. Zum NETD-Wert erscheint ein eigener Beitrag.
Häufige Fragen zur Wild D Serie
Welche Modelle gehören zur ThermTec Wild D Serie?
Genau zwei: Wild 650D mit 640×512 Sensor und Wild 350D mit 384×288 Sensor. Beide tragen dieselbe umschaltbare Doppeloptik mit 25 und 50 Millimetern bei Blende 0,9. Ein Wild 335D oder Wild 635D gehört nicht dazu und existiert bei ThermTec nicht; die zweite Ziffernfolge im Modellnamen steht bei diesem Hersteller für die längere der beiden Brennweiten, hier also 50 Millimeter. Angebote unter der Bezeichnung 335D verwechseln das 350D mit dem Wild 335 der einfachen Wild Reihe.
Hat ein Gerät der Wild D Serie einen Laserentfernungsmesser?
Nein, keines der beiden. Bei ThermTec steht das Kürzel L für einen Laser und D für die Doppeloptik, und in der Wild D Serie kommt kein L vor. Die beworbene AI Distance Measurement schätzt die Entfernung aus der Zielgröße und erreicht die Genauigkeit eines Lasers nicht. Das einzige ThermTec Gerät mit Doppeloptik und Laser ist das Wild 650DL Pro, das bis 1000 Meter auf einen Meter genau messen kann.
Was bringt ein Doppelobjektiv gegenüber Digitalzoom?
Volle Auflösung in beiden Brennweiten. Digitalzoom rechnet die vorhandenen Bildpunkte größer, wodurch das Bild gröber wird. Ein zweites Objektiv wirft dagegen ein eigenständiges engeres Bild auf den vollen Sensor, sodass sämtliche Bildpunkte für den kleineren Ausschnitt zur Verfügung stehen. Beim Umschalten von 25 auf 50 Millimeter verdoppelt sich außerdem die Entdeckungsreichweite von 1300 auf 2600 Meter, was ein Digitalzoom nicht leistet.
Wild 650D oder Wild 350D, welches Modell passt besser?
Reichweite, Optik, Gehäuse, Display und Augenabstand sind bei beiden gleich, die Wahl hängt an drei Punkten. Das 650D zeigt mit 30,7 statt 18,4 Metern auf 100 Meter ein deutlich breiteres Bildfeld und zeichnet Wildkörper mit rund dreimal so vielen Bildpunkten. Das 350D läuft zehn statt acht Stunden und kostet mehrere Hundert Euro weniger. Wer Flächen absucht, nimmt das 650D; wer auf Preis oder Ausdauer achtet, das 350D.
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